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27. Januar 2014 · Kommentieren · Branchen/Themen: Politik

Der Internationale Gerichtshof in Den Haag hat heute Nachmittag sein Urteil über die Seegrenze zwischen Peru und Chile verkündet. Die Karte zeigt die von den Richtern festgelegte Grenzlinie innerhalb der 200-Meilen-Zone vor der Küste. Demnach bleibt der bisherige und von Chile reklamierte Verlauf parallel zum 18. Breitengrad auf den ersten 80 Meilen vor der Küste bestehen; danach beschreibt die Grenze künftig zugunsten Perus eine Diagonale nach Süden. Die Regierungen beider Länder hatten zuvor angekündigt, das Urteil zu akzeptieren und umzusetzen. Das strittige 38.000 Quadratkilometer große Meeresgebiet ist vor allem wegen seiner reichen Fischbestände von Bedeutung.

Das Urteil bedeutet insofern einen Kompromiss, als dass beide Seiten von ihren Forderungen (siehe untere Grafik) abrücken müssen: Chile tritt etwa 21.000 Quadratkilometer seines beanspruchten Gebiets ab, Peru verzichtet auf 17.000 Qudratkilometer des von ihm verlangten Gebiets. Da Chile bisher den von ihm beanspruchten Teil nutzte, wird aber Peru durch den Richterspruch praktisch bessergestellt. Hinzu kommt, dass auch ein knapp 29.000 Quadratkilometer großes Seegebiet westlich des umstrittenen Dreiecks Peru zugesprochen wird. Das Land rief den Gerichtshof im Jahr 2008 an, nachdem der aus den 1950er Jahren (bzw. aus dem „Salpeterkrieg“ Ende des 19. Jahrhunderts) herrührende Grenzstreit mit Chile nicht hatte beigelegt werden können.

Nach der Klärung der Streitfrage wird allgemein gehofft, dass sich nun die Beziehungen zwischen Chile und Peru entkrampfen und intensivieren. Zuletzt summierte sich der Güteraustausch zwischen beiden Seiten auf jährlich drei Milliarden US-Dollar. Chilenische Unternehmen, inbesondere im Einzelhandel, investierten 13 Milliarden US-Dollar im nördlichen Nachbarland.

In der betroffenen peruanischen Küstenregion Tacna setzt man natürlich auch auf wirtschaftliche Impulse. Um die hinzugewonnene Seezone für die Fischerei nutzen zu können, sollte eine neuer Hafen errichtet werden, fordern lokale Unternehmensvertreter. Die jährliche Fangausbeute in dem Meeresdreieck wird auf 200 Millionen US-Dollar taxiert. Der größere Teil davon entfällt allerdings auf die küstennahen Gewässer, die bei Chile verbleiben. [twoclick_buttons]

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