Der Handel zwischen China und Lateinamerika hat sich in einem Jahrzehnt verfünfunddreißigfacht, so die CEPAL

Der Handel zwischen China und Lateinamerika hat sich in einem Jahrzehnt verfünfunddreißigfacht, so die CEPAL
CEPAL

Lateinamerika, die Region mit den größten wirtschaftlichen Ungleichheiten und von der weltweiten Pandemie stark betroffen, erlebt eine erstaunliche wirtschaftliche Erholung. Im Jahr 2021 verzeichnete die Region ein Wachstum von 6,9%, eine beeindruckende Erholung nach dem Einbruch von 6,8% im Jahr 2020, der die schwerste Rezession der letzten 120 Jahre darstellte.

CEPAL: Das erstaunliche Wachstum des Handels

Was jedoch erhebliche Aufmerksamkeit erregt, ist der explosionsartige Anstieg des Handels zwischen Lateinamerika und China. Laut der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) hat sich der Handel von Gütern zwischen diesen beiden Regionen im Zeitraum von 2000 bis 2022 um das 35-Fache gesteigert, eine beeindruckende Zahl, die auf eine zunehmende wirtschaftliche Integration hinweist.

Die Bilanz des Handels

In ihrem jährlichen Bericht über die Aussichten für den internationalen Handel in der Region betonte die Organisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Santiago de Chile, dass der bilaterale Handel zwischen Lateinamerika und China im Jahr 2000 knapp über 14 Milliarden US-Dollar betrug. Im Jahr 2022 ist dieser Betrag auf fast 500 Milliarden US-Dollar gestiegen. Diese erstaunliche Steigerung unterstreicht die wachsende Bedeutung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen diesen beiden Teilen der Welt.

CEPAL: Chinas Aufstieg als Handelspartner

Ein bedeutender Wandel erfolgte im Jahr 2010, als China die Europäische Union als zweitwichtigsten Handelspartner der Region ablöste und sich als wichtigster Handelspartner für Südamerika etablierte. Dieser Wandel wird in dem am letzten Donnerstag veröffentlichten Dokument mit dem Titel „International Trade Outlook 2023“ bestätigt.

CEPAL: Handelsgüter und Warenströme

Die Exporte aus der Region nach China bestehen hauptsächlich aus Roh- und verarbeiteten Naturressourcen, während die Importe hauptsächlich aus Fertigwaren bestehen. Tatsächlich machen nur sechs Produkte – Soja, Kupfer- und Eisenerze, Öl, Kupferkathoden und Rindfleisch – 72% der Exporte in die Region nach China aus, und diese Güter konzentrieren sich hauptsächlich in Südamerika (93%), wie im Bericht der CEPAL berichtet wird.

Herausforderungen für die Zukunft

Dennoch gibt es einen gewissen Vorbehalt in Bezug auf das Wachstum der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Lateinamerika und China. Die CEPAL warnt davor, dass „die zunehmende Durchdringung des chinesischen verarbeitenden Gewerbes in der Region die regionale Produktion verdrängt hat.“ Dies hat zu einer verstärkten Spezialisierung auf den Export von Rohstoffen geführt, insbesondere in Südamerika. Die Agentur empfiehlt zudem, die Angebotspalette im Lebensmittelsektor zu diversifizieren und die bestehenden nichttarifären Handelshemmnisse zu beseitigen, um die Bedürfnisse und Vorlieben der chinesischen Verbraucher besser zu erfüllen.

Investitionen in die Zukunft

Die CEPAL hat auch die Region dazu aufgefordert, ausländische Direktinvestitionen (FDI) in strategische Tätigkeiten zur Verarbeitung natürlicher Ressourcen wie Lithium anzuziehen, um zukünftige Verbindungen zur Fertigungsindustrie herzustellen.

Ein gemischtes Bild für Lateinamerika

Trotz des positiven wirtschaftlichen Wachstums hat die Region in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 einen Abschwung erlebt, der mit einem Wachstum von 3,7% abgeschlossen wurde. Die CEPAL schätzt, dass das regionale BIP-Wachstum für das Jahr 2023 nur 1,7% betragen wird, mit einer erwarteten Expansion von 1,5% im Jahr 2024.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Handel zwischen China und Lateinamerika voraussichtlich weiterhin florieren wird. Die Region muss jedoch wichtige Herausforderungen bewältigen, um dieses wirtschaftliche Potenzial voll auszuschöpfen. Die Diversifizierung der Exporte und strategische Investitionen werden entscheidend sein, um nachhaltiges Wirtschaftswachstum sicherzustellen und die Ungleichheiten in der Region zu reduzieren.